Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Werkzeugfabrik Michael Brönner in Würzburg

Bis vor kurzem war mir diese Firma völlig unbekannt. Bei einer routinemäßigen Google-Suche fand ich dann zufällig eine Anzeige der Werkzeugfabrik M. Brönner aus dem Jahr 1866. Die darin angebotenen Werkzeuge (Hobel, Beitel, usw.) waren interessant, also versuchte ich, mehr über die Firma Brönner herauszufinden.

Der Erfolg einer solchen Recherche ist sehr unterschiedlich. Er hängt zum einen davon ab, welche Bücher von Google eingescannt wurden und in welchem Umfang sie zugänglich sind. Zum anderen hinterlassen die Firmen sehr unterschiedliche Spuren in der Literatur, so daß oft selbst über bekannte Firmen kaum etwas online zu finden ist.

Besonders liegt der Fall der Werkzeugfabrik Brönner insofern, als die Geschichte der Firma relativ kurz ist (ca. 14 Jahre) und praktisch vollständig dokumentiert in Meldungen und Anzeigen der Würzburger Tageszeitungen dieser Zeit.

Mit dieser Meldung vom 9. Mai 1854 begann die kurze Geschichte der Werkzeugfabrik:
"Mich. Brönner von Wolfsmünster erhält von kgl. Regierung die Erlaubniß zur Errichtung einer Fabrik von Werkzeugen für Holzarbeiten und die Ansässigmachung dahier."


Der Start gelingt und Brönner nimmt schon im Juli an der Allgemeinen Deutschen Industrie-Ausstellung in München teil mit 12 verschiedenen Hobeln, "darunter Nut= und Feder=, Gesims=, Hirngrat=, Kehlhobel".

Zu dieser Zeit wird auch "ein tüchtiger Arbeiter" "gegen gute Bezahlung gesucht" und im April 1855 "ein tüchtiger Schreiner und ein Metallarbeiter", "welch letzterer das Härten verstehen muß".

Für die Gründung einer Werkzeugfabrik war vom Polytechnischen Verein in Würzburg eine Prämie von 200 fl. ausgeschrieben worden, die "nach Verlauf eines Jahres ... an den Schreinergesellen, gegenwärtigen Werkzeug-Fabrikanten Michael Brönner dahier ausgehändigt" wurde.

Bei der "Jubelfeier des fünfzigjährigen Stiftungsfestes des polytechnischen Vereins" im Juli 1856 gestaltet Brönner einen Wagen für den Festzug: "der Wagen des Hrn. Brönner hatte ein Podium, mit verschiedenen Baumrinden und Guirlanden bekleidet; als Gallerien dienten große Sägen, auf der Mitte erhoben sich 3 Pyramiden mit Werkzeugen für Schreiner, Wagner, Büttner etc. in sinnreicher Gruppirung."

Am 23. Mai 1857 inseriert die Firma im Würzburger Stadt- und Landboten:


Auf einer Kreis-Industrie-Ausstellung "zur Feier der Eröffnung der Maxschule zu Würzburg" 1858 zeigt Brönner "ein reiches Sortiment von seinen als vorzüglich bekannten Erzeugnissen namentlich in Hobeln, dann eine Band- und Kreissäge" und erhält dafür ein Anerkennungsdiplom.

Im November 1859 zeigt Brönner seine erste Ausstellung auf der Bayreuther Messe an, wo bei ihm "alle fertigen Werkzeuge sowie einzelne Theile zu haben sind". Eine Woche später sucht er per Annonce "zwei Schreiner, welche gut im Hobelwerkzeugfertigen bewandert sind". Anfang Dezember 1859 erinnert eine Anzeige an das nahende Weihnachtsfest: "Es ist eine Auswahl Laubsägen-Bögen vorräthig; auch werden wie alle Jahre für Knaben Werkzeuge angefertigt."

Im Januar 1860 allerdings meldet der Würzburger Anzeiger den ersten Gerichtstermin "im Konkurse des Werkzeugfabrikanten Michael Brönner hier", und eine Bekanntmachung im August lädt "Strichsliebhaber" zu einem Termin, wo "das zum Concurse gehörige Mobiliare" und "Handwerkszeug" "gegen Baarzahlung öffentlich versteigert" werden.

Brönner schafft aber einen Neuanfang, denn in den Jahren 1865 bis 1867 wirbt der Werkzeugfabrikant mit seinem "großen Werkzeuglager" und meldet: "Wegen angehäuften großen Bestellungen ist mir nicht möglich, diese Messe [in Würzburg] zu beziehen, weßhalb ich meine geehrten Abnehmer ersuche, mich in meinem Laden zu beehren". Aus dieser Zeit stammt auch die folgende "Meßanzeige" zur "Rothenburger Messe":


Offensichtlich hat sich Brönner aber ziemlich übernommen, denn schon im April 1868 müssen die "Werkzeugfabrikanten-Eheleute Michael und Rosina Brönner" erneut Konkurs anmelden wegen "nachgewiesener Ueberschuldung": "Die zur Zeit inventirte, aus Waaren und Mobilien bestehende Aktivmasse hat einen Taxwerth von 343 fl. 39 kr. entgegen einer angezeigten Passivmasse von ca. 2550 fl."

Im "Adreß-Handbuch für die königlich bayer. Kreis-Haupt- und Universitäts-Stadt Würzburg" von 1870 ist Michael Brönner als einfacher Werkzeugmacher verzeichnet.

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