Freitag, 31. Dezember 2010

Frühe Markenzeichen der Firma Böker

Der Baum als Markenzeichen der Firma Böker ist weltbekannt. Auf der Homepage der Firma ist zu lesen, daß als Vorbild für dieses Zeichen ein Kastanienbaum diente, "der die erfolgreiche Remscheider Handwerkzeug-Fabrik der Familie Böker überschattete." Das Zeichen des Baumes habe der Remscheider Firma gehört und Heinrich Böker habe es für sein 1869 neugegründetes Werk in Solingen übernehmen dürfen.

Bei meinen Recherchen habe ich auch verschiedene Markenanmeldungen der Böker-Firmen gefunden. Die Anmeldung vom 3. Juni 1870 beim Königlichen Gewerbegericht in Solingen zeigt das Zeichen mit der einfachen Beschreibung "der Baum". Trotz der falschen Schreibweise des Namens mit "Fabrikhandlung Heinrich Becker & Cie. am Wehrwolf Gemeinde Dorp" ist klar, daß die Solinger Fabrik Heinrich Böker gemeint ist. Von "Böker" über "Böcker", wie der Name oft in alten Quellen auftaucht, zu "Becker" ist es nicht weit. Und das Baumwerk Heinrich Böker in Solingen steht noch heute im Solinger Stadtteil Dorp an der Schützenstraße, die die Verlängerung zur Straße "Werwolf" bildet.


Der Baum auf dem Solinger Markenzeichen unterscheidet sich deutlich von der früheren Anmeldung der "Handlung R. & H. Böker zu Remscheid" vom 25. Juni 1859. Der dort abgebildete Baum hat eine schirmförmige Krone und wird flankiert von den Buchstaben "B B".


Obwohl dieses Markenzeichen 1859 angemeldet wurde, ist es tatsächlich schon länger im Besitz der Firma Böker. Diese Neuanmeldung ist vermutlich auf eine veränderte Gesetzgebung zurückzuführen, nämlich die "Verordnung zum Schutz der Fabrikzeichen von Eisen- und Stahlwaren für die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz" von 1847.

Daß das Zeichen schon früher vergeben wurde, geht auch aus einem Artikel in einer juristischen Zeitschrift von 1854 hervor. Dort heißt es: "Das Handelshaus J. G. Böcker und Söhne oder R. und H. Böcker zu Remscheid, ist nach Maaßgabe des Gesetzes vom 18. August 1847 im ausschließlichen Gebrauche eines Fabrikzeichens für seine Eisen- und Stahlwaaren, welches einen Apfelbaum mit den Buchstaben B. B. und B. S. darstellt."

Ein Apfelbaum also, keine Kastanie? Als ich dieses Zitat gefunden hatte, war mir nicht klar, welche Bedeutung ich dem beimessen sollte. In dem genannten Artikel geht es um einen Rechtsstreit mit einer Konkurrenzfirma, die ein sehr ähnliches Zeichen auf ihre Waren geschlagen hatte. Ich dachte, daß es dabei mehr um den Baum an sich als Markenzeichen ging und nicht um die Art des Baumes. Aber dann habe ich die vermutlich allererste Anmeldung eines Zeichens der Firma Böker gefunden.

Die Zeichenrolle des Cronenberger Handwerksgerichts wurde aufgrund einer landesherrlichen Verfügung von 1765 eingerichtet und enthält Anmeldungen von Fabrikzeichen der Jahre 1766 bis 1829 aus den Gemeinden Cronenberg, Lüttringhausen und Remscheid. Die Einträge sind sehr schwer zu entziffern, und obwohl ich schon länger eine Kopie davon besitze, habe ich bisher nur einen kleinen Teil davon ausgewertet. Um die Frage zu klären, welcher Baum denn nun auf dem Bökerschen Markenzeichen abgebildet ist, habe ich einen neuen Anlauf gestartet und tatsächlich eine Anmeldung vom September 1792 gefunden.

Ich gebe hier den Inhalt teilweise mit eigenen Worte wieder. Leider ist der Text an vielen Stellen unklar, insbesondere auch da, wo der Name des Baums genannt wird. Ich erkenne ein "a??elbaum". An der Stelle der Fragezeichen könnte ein "st" stehen, ein "ft", ein "ff" oder ein "ß". Wer möchte, kann sich ja mal selbst am Originaltext versuchen (Link unten):

"1792 den 29. September präsentierte Gottfried
Böker aus Vieringhausen im Kirchspiel
Remscheid das Zeichen den Apfelbaum,
welches auf allerhand Stahl- und Eisen-
waren geprägt werden soll. Dies Zeichen
ist in den Kirchen des Handwerks-
distrikts proklamiert worden
und wie es hier neben abgedruckt
steht."


Das in Siegellack eingeprägte Zeichen interpretiere ich in Anlehnung an das obige Zeichen von 1859 als Baum mit den Buchstaben G und B (für Gottfried Böker):

Anmeldung Fabrikzeichen Gottfried Böker Remscheid, 1792




Um abschließend zu klären, was genau in dieser Markenanmeldung steht und auf dem abgedruckten Zeichen zu sehen ist, wird es wohl einen Experten brauchen, der sich das Original in Remscheid mal genauer ansieht. Aber selbst wenn sich der Apfelbaum bestätigen sollte, kann das spätere Zeichen von Heinrich Böker trotzdem einen Kastanienbaum darstellen. Interessant ist die Sache auf jeden Fall.


Quellenangaben:
Markenanmeldung vom 3. Juni 1870:
Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf
[Bayerische Staatsbibliothek München]

Markenanmeldung vom 25. Juni 1859:
Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf
[Google Buchsuche]

Markenanmeldung vom 29. September 1792:
Zeichenrolle des Cronenberger Handwerksgerichts
Historisches Zentrum der Stadt Remscheid

Verfahren gegen Gebr. Wirths:
Archiv für das Civil- und Criminal-Recht der Königl. Preuß. Rheinprovinzen, 1854
[Google Buchsuche]

Zeitlinie der Böker-Marken:
http://www.boker.de/pdf/knifeworld.pdf (letzte Seite)

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