Donnerstag, 21. Juli 2011

No-Hobel

Keine Angst, es geht nicht darum Hobel abzuschaffen! Mit "No-Hobel" meine ich Hobel, die nur mit einer Nummer gekennzeichnet sind, z. B. "No. xx". In meiner Sammlung habe ich einige davon, und bisher war es mir nicht gelungen, den Hersteller zu identifizieren. Die Schreibweise "No" anstatt "Nr" deutet darauf hin, daß diese Hobel schon etwas älter sind.

Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, den Hersteller herauszufinden, denn oft entsprechen die Nummern auf Hobeln den Katalognummern. Aber es war mir bisher nicht gelungen, die Nummern dieser No-Hobel in meinen Katalogen zu finden und zuzuordnen.


Jetzt hat mir ein Sammler Fotos eines Grathobels No. 37 und eines Bogenfalzhobels No. 33A zugesendet, und ich habe einen neuen Anlauf genommen, das Rätsel zu lösen. Und schließlich fand ich in einem Katalog den Bogenfalzhobel No. 33A (mit Messinganschlag) und No. 33B (mit hölzernem Anschlag). Leider ist dieser Katalog nur die Kopie eines ziemlich zerfledderten Originals. Auf vielen Seiten waren Teile herausgeschnitten worden, ganze Seiten sowie der Einband fehlten. Und eine No. 37 war nicht enthalten. So war ich also nicht viel weitergekommen, denn den Hersteller wußte ich immer noch nicht.

Zum wiederholten Mal habe ich mir dann die anderen Seiten dieses Katalogfragments angeschaut und schließlich einen "Neuen verbesserten Nuthobel DRGM 147505" entdeckt. Ein wichtiger Hinweis, denn dieses Gebrauchsmuster gehörte der Firma Esslinger & Abt. Daraufhin habe ich die Nummerierung mit zwei anderen Katalogen von Esslinger & Abt verglichen und gesehen, daß sie weitgehend übereinstimmt. Den Bogenfalzhobel gab es in diesen neueren Katalogen nicht mehr, aber dafür fand ich den Grathobel mit der No. 37. Das bedeutet also, daß auch der ältere Katalog von E&A stammt. Ein schöner Erfolg, denn dieses Katalogfragment hatte mir seit langem Rätsel aufgegeben.

Ich habe dann weitere Beispiele aus meiner Sammlung und der eines Freundes mit den Nummern in den vorhandenen Katalogen verglichen. Die meisten dieser Hobel konnte ich zuordnen. Aber heißt das nun, daß alle Hobel mit einer Kennzeichnung "No. xx" von Esslinger & Abt gebaut wurden? Nein, denn auch andere Firmen haben einen solchen Stempel benutzt.

Dieser Kehlhobel z. B. wurde von der Badischen Holzwerkzeugfabrik hergestellt und steht mit der No. 121 in einem Katalog dieser Firma:
http://www.holzwerken.de/museum/profilhobel/kehlhobel4.phtml
Und in diesem Katalog war auch mein Nuthobel No. 81 abgebildet, den ich bei Esslinger & Abt nicht gefunden hatte:
http://www.holzwerken.de/museum/nuthobel/nuthobel4.phtml
Man sieht, daß sich die beiden Stempel unterscheiden. Der von Esslinger & Abt ist kursiv, der Stempel der Badischen Holzwerkzeugfabrik nicht. Es gibt noch andere Unterschiede, aber bei der geringen Menge an Daten ist es zu früh, diese als typisch anzusehen.


Auch Hobel von den Gebr. Crotogino sind oft so gestempelt, zusätzlich zu einer fünf- oder sechsstelligen Zahl, die ich als laufende Nummer interpretiere. Diese Nummerierung kann aber auch ohne das vorangestellt "No." stehen oder ganz fehlen.


Bei allen drei Herstellern können weitere Markierungen oder Herstellerstempel auftreten, was die Identifizierung erleichtert. Aber wie man sieht, gibt alleine schon die Nummer und die Art der Stempelung wichtige, oft eindeutige Hinweise.



Und eine interessante Entdeckung habe ich in diesem Zusammenhang gemacht. Ein Grathobel No. 38 in meiner Sammlung hat sich als modifizierter Zahnleistenhobel herausgestellt:
http://www.holzwerken.de/museum/falzhobel/grathobel1.phtml
Im Original würde dieser Hobel so aussehen wie hier in Christian Peglows Sammlung:
http://hobelaxt.wordpress.com/2010/01/14/zahnleistenhobel-hainbuche-d-dunkle-holz-f/
Schade um das schöne Stück, zumal es der einzige Zahnleistenhobel in meiner Sammlung ist.