Montag, 14. November 2011

Ein Hersteller-"App"

Neulich im Auto: Im Radio lief ein Lied, das mir sehr gut gefiel. Die Stimme kam mir bekannt vor, und ich fragte meinen Sohn, ob er die Sängerin kennt. Er tippte kurz auf seinem Handy, hielt es vor das Radio und meinte dann: Adele. Viele werden das schon kennen: ein "App" auf dem Handy (z. B. Shazam) vergleicht ein Lied mit bekannten Titeln in einer Datenbank und liefert die Information.

Ich kannte das bisher nur vom Hörensagen und war beeindruckt. Und ich träumte von einem solchen Programm für Hobelsammler. Man stelle sich vor, man geht über den Flohmarkt, macht ein Photo von einem interessanten Hobel, und sofort erscheint der Hersteller, das Baujahr und der aktuelle Marktwert auf dem Display.

Nun ja, abgesehen davon, daß der notwendige Mustererkennungsalgorithmus sicher nicht einfach zu programmieren wäre und die Datenbank dafür auch nicht existiert, wäre die Zielgruppe für ein solches "App" wohl auch zu klein. Aber eine ähnliche Anwendung ist auf meiner Homepage zu finden:


Dort gibt es die Möglichkeit, in einer Datenbank nach Markenzeichen und den zugehörigen Herstellern bzw. Händlern zu suchen. Suchkriterien sind entweder Details des Markenzeichens (Texte oder Bilder) oder Namen bzw. Standorte der Firmen. Oder man kann sich einfach alle in der Datenbank enthaltenen Zeichen anzeigen lassen.

Und ich hab's ausprobiert: Man kann diese Suche zur Not auch vom Handy aus aufrufen.

Mittwoch, 9. November 2011

Gauner und Tricks

In einem Buch von 1858 1) fand ich den folgenden Trick, um auf Holz gedruckte, unsichtbare Mitteilungen in ein Gefängnis zu schmuggeln:

Noch verdient hier endlich der trockene Druck auf Holz erwähnt zu werden, welcher unter den Buchdruckern sehr bekannt ist. Die Mittheilung wird mit gewöhnlichen Drucklettern gesetzt und ohne Schwärze oder Farbe auf ein Stück weiches Holz, wie z. B. Linden-, Weiden-, Föhren-, Cedern-, Kastanien- oder Pappelholz, scharf aufgedruckt. Dadurch wird der Druck tief in das Holz eingetrieben. Um nun dem dritten die Mittheilung verborgen zu halten, wird das Holz mit einem Ziehling, Glasscherben oder feinem Doppelhobel genau bis auf die Tiefe des Drucks weggeschabt oder gehobelt, sodaß der Druck vollständig verschwindet. Der in das Geheimniß eingeweihte gefangene Empfänger benetzt nun das Holz mit Wasser oder einer sonstigen Feuchtigkeit, worauf an dem Holze die unterhalb des sichtbar gewesenen aber abgeschabten Drucks zusammengepreßten Letterstellen herausquillen, sodaß die Mittheilung nun in ziemlich deutlicher Erhabenheit erscheint. In dieser Weise lassen sich auf einem Lineal, Stock, dem Boden oder Deckel einer Schachtel oder eines Kästchens, auf einer Nadelbüchse u. dgl. ziemlich ausführliche Mittheilungen machen, von denen der Uneingeweihte umsoweniger eine Ahnung hat, als der Glanzlack, mit welchem ein so bedrucktes Holzstück zu mehrerer Tauschung überzogen wird, das Aufquillen des Holzes durchaus nicht verhindert.

Ich bin sicher, daß das auch noch heute funktionieren würde. Ich gebe diesen Trick aber nicht deshalb weiter, um Straftaten zu ermöglichen. Man kann ihn nämlich durchaus auch für andere Zwecke einsetzen, z. B. um erhabene Strukturen und Verzierungen auf Holz zu erzeugen. Das Prinzip ist das gleiche: Die gewünschten Strukturen werden in das Holz eingedrückt und dieses dann bis auf den Grund der Vertiefungen abgehobelt. Durch Befeuchten des Holzes erscheinen sie erhaben und dauerhaft. Sinnvollerweise probiert man das vorher mit verschiedenen Holzarten aus.

Frank Klausz hat auf diese Weise einen wasserdichten Schärfsteinbehälter gebaut. 2) Im Bereich der Fugen wird zunächst mit einem Draht eine längliche Vertiefung eingedrückt und anschließend wieder abgehobelt. Nach dem Verleimen quillt das Holz durch eindringende Feuchtigkeit in diesem Bereich auf und dichtet die Fugen zusätzlich ab.



Quellen:
1) Das Deutsche Gaunerthum
Friedrich Christian Benedict Avé-Lallemant
F. A. Brockhaus, 1858
http://books.google.com/books?id=eoADAAAAYAAJ&pg=PA309

2) Waterstone Pond, Build a watertight wooden holder for your sharpening stones
Frank Klausz
American Woodworker, Dec. 1996
http://books.google.de/books?id=jPYDAAAAMBAJ&pg=PA44

Samstag, 22. Oktober 2011

Ein Wespenhaus

Wenn mein Enkel Lars zu Besuch ist, geht er gerne mit mir in die Werkstatt. Ich muss mir nie ausdenken, was wir dort machen könnten, denn Ideen hat er selbst genug. Dieses Mal sollte es ein Haus für die Wespen werden. Keine Ahnung, wie er auf diese Idee kam. Vielleicht wollte er den Wespen was anbieten, damit sie uns in Ruhe lassen, wenn wir draußen essen.

Jedenfalls hat Lars eine genaue Vorstellung, wie das Haus aussehen soll. "Da müssen wir zwei Bretter so schräg abschneiden (zeigt mit den Händen ein Dach), und dann brauchen wir eine Tür. Hast du so Teile, wo man eine Tür dranmachen kann?" Kleine Scharniere habe ich sicher irgendwo, aber wie soll ich mit einem Vierjährigen ein richtiges Haus mit funktionierender Tür bauen?

In der Werkstatt zeichnet Lars erst mal eine Giebelwand auf ein Stück Holz. "Säg das aus, Opa!" Ich denke an all die Teile, die wir brauchen werden, an das Verleimen, und an die Tür mit Scharnieren. Die Größe der Aufgabe lähmt mich, aber Lars drängt: "Sonst mach ich das." Alleine sägen kann er noch nicht, mit der Gestellsäge geht es aber gut zu zweit. Weil die Teile für ein Haus aber winklig sein müssen, säge ich dieses Mal alleine. Zuerst mal einfach ein Stück vom Ende des Brettes, dann noch eins und noch einige, und wunderbarerweise lässt sich daraus ein Kästchen zusammensetzen.

Lars ist zufrieden. Von einem Dach ist keine Rede mehr, und als ich aus einem Brettchen mit der Schweifsäge einen Bogen als Tür aussäge, leuchten seine Augen. Bis das Häuschen zusammengeleimt ist, würde viel zu lange dauern, also nageln wir die Brettchen zusammen. Das macht sowieso mehr Spaß und weil wir die Löcher vorbohren, ist es auch für Lars ganz einfach. Zum Abendessen können wir der Familie stolz unser Wespenhaus zeigen.
Am nächsten Tag malen wir das Häuschen noch mit Wasserfarben bunt an. Und mit einem kleinen Haken im Dach wird es gleich im Zwetschgenbaum aufgehängt.


Lars füllt einen Plastikdeckel mit Honig, schiebt ihn durch die Türöffnung, und das Wespenhaus wartet auf seine Gäste. Tatsächlich finden sich bald die ersten Wespen ein, und auch die Ameisen holen sich ihren Anteil am Honig.


Ich bin auch zufrieden, weil ich was dabei gelernt habe. Einen fertigen und komplizierten Plan im Kopf zu haben, kann einen davon abhalten, eine Aufgabe zu lösen. Mit meinem Erwachsenendenken wären wir nicht weit gekommen. Einfach mal mit einer Idee anfangen und sehen, wie sie sich verändert und was dabei entsteht, und sich überraschen lassen.

Bei unserem nächsten Projekt, einer "Rakete", war ich jedenfalls schon wesentlich gelassener. Fliegen kann man damit zwar nicht, aber sie ist toll geworden. Und sogar groß genug, daß die Mama "mitfliegen" kann.

Donnerstag, 21. Juli 2011

No-Hobel

Keine Angst, es geht nicht darum Hobel abzuschaffen! Mit "No-Hobel" meine ich Hobel, die nur mit einer Nummer gekennzeichnet sind, z. B. "No. xx". In meiner Sammlung habe ich einige davon, und bisher war es mir nicht gelungen, den Hersteller zu identifizieren. Die Schreibweise "No" anstatt "Nr" deutet darauf hin, daß diese Hobel schon etwas älter sind.

Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, den Hersteller herauszufinden, denn oft entsprechen die Nummern auf Hobeln den Katalognummern. Aber es war mir bisher nicht gelungen, die Nummern dieser No-Hobel in meinen Katalogen zu finden und zuzuordnen.


Jetzt hat mir ein Sammler Fotos eines Grathobels No. 37 und eines Bogenfalzhobels No. 33A zugesendet, und ich habe einen neuen Anlauf genommen, das Rätsel zu lösen. Und schließlich fand ich in einem Katalog den Bogenfalzhobel No. 33A (mit Messinganschlag) und No. 33B (mit hölzernem Anschlag). Leider ist dieser Katalog nur die Kopie eines ziemlich zerfledderten Originals. Auf vielen Seiten waren Teile herausgeschnitten worden, ganze Seiten sowie der Einband fehlten. Und eine No. 37 war nicht enthalten. So war ich also nicht viel weitergekommen, denn den Hersteller wußte ich immer noch nicht.

Zum wiederholten Mal habe ich mir dann die anderen Seiten dieses Katalogfragments angeschaut und schließlich einen "Neuen verbesserten Nuthobel DRGM 147505" entdeckt. Ein wichtiger Hinweis, denn dieses Gebrauchsmuster gehörte der Firma Esslinger & Abt. Daraufhin habe ich die Nummerierung mit zwei anderen Katalogen von Esslinger & Abt verglichen und gesehen, daß sie weitgehend übereinstimmt. Den Bogenfalzhobel gab es in diesen neueren Katalogen nicht mehr, aber dafür fand ich den Grathobel mit der No. 37. Das bedeutet also, daß auch der ältere Katalog von E&A stammt. Ein schöner Erfolg, denn dieses Katalogfragment hatte mir seit langem Rätsel aufgegeben.

Ich habe dann weitere Beispiele aus meiner Sammlung und der eines Freundes mit den Nummern in den vorhandenen Katalogen verglichen. Die meisten dieser Hobel konnte ich zuordnen. Aber heißt das nun, daß alle Hobel mit einer Kennzeichnung "No. xx" von Esslinger & Abt gebaut wurden? Nein, denn auch andere Firmen haben einen solchen Stempel benutzt.

Dieser Kehlhobel z. B. wurde von der Badischen Holzwerkzeugfabrik hergestellt und steht mit der No. 121 in einem Katalog dieser Firma:
http://www.holzwerken.de/museum/profilhobel/kehlhobel4.phtml
Und in diesem Katalog war auch mein Nuthobel No. 81 abgebildet, den ich bei Esslinger & Abt nicht gefunden hatte:
http://www.holzwerken.de/museum/nuthobel/nuthobel4.phtml
Man sieht, daß sich die beiden Stempel unterscheiden. Der von Esslinger & Abt ist kursiv, der Stempel der Badischen Holzwerkzeugfabrik nicht. Es gibt noch andere Unterschiede, aber bei der geringen Menge an Daten ist es zu früh, diese als typisch anzusehen.


Auch Hobel von den Gebr. Crotogino sind oft so gestempelt, zusätzlich zu einer fünf- oder sechsstelligen Zahl, die ich als laufende Nummer interpretiere. Diese Nummerierung kann aber auch ohne das vorangestellt "No." stehen oder ganz fehlen.


Bei allen drei Herstellern können weitere Markierungen oder Herstellerstempel auftreten, was die Identifizierung erleichtert. Aber wie man sieht, gibt alleine schon die Nummer und die Art der Stempelung wichtige, oft eindeutige Hinweise.



Und eine interessante Entdeckung habe ich in diesem Zusammenhang gemacht. Ein Grathobel No. 38 in meiner Sammlung hat sich als modifizierter Zahnleistenhobel herausgestellt:
http://www.holzwerken.de/museum/falzhobel/grathobel1.phtml
Im Original würde dieser Hobel so aussehen wie hier in Christian Peglows Sammlung:
http://hobelaxt.wordpress.com/2010/01/14/zahnleistenhobel-hainbuche-d-dunkle-holz-f/
Schade um das schöne Stück, zumal es der einzige Zahnleistenhobel in meiner Sammlung ist.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Patentierter Simshobel von Carl Pohl

Neulich habe ich einen ganz besonderen Hobel bei Ebay gekauft (Danke für den Tip, Andreas!). Die Beschreibung war mager, wie üblich, aber die Form des Hobels und die seitlichen Messingspangen waren ungewöhnlich genug, um mein Interesse zu wecken.


Der Hobel kam im "Fundzustand", also eingestaubt und mit Farbspritzern. Der Verkäufer hatte keine Markierungen erwähnt, aber auf der Klappe und auf der Vorderseite unter der Nase waren Beschriftungen zu ahnen. Nach vorsichtiger Reinigung konnte ich mit meiner Lupe schließlich den Namen POHL entziffern und etwas, das wie eine Patentnummer aussah. In einer Liste mit deutschen Hobelpatenten auf meiner Homepage fand ich den Namen "Carl Pohl in Steglitz" im Zusammenhang mit zwei Patenten für Simshobel:
http://www.holzwerken.de/museum/patent/hobel_de.phtml
Die dort genannten Patentnummern sind 33684 (1885) und 66226 (1892) und die zugehörigen Patentschriften habe ich unter http://depatisnet.dpma.de/ heruntergeladen. Im Netz fand ich noch einen Bericht über den Ankauf zweier Simshobel von Tischlermeister Pohl für die technische Mustersammlung des Landesgewerbvereins Hessen. Er enthielt neben einer Beschreibung sogar einen kleinen "Testbericht", sowie die vollständige Adresse von Carl Pohl. Mit diesen Informationen gelang es mir dann, die beiden gleichlautenden Markierungen auf Klappe und Hobel zu entziffern:

D.R.P. 33684
C. POHL
STEGLITZ
2 HEESESTRASSE 2

Beschriftung auf der Klappe

Beschriftung auf dem Hobel

Beide Patente von Carl Pohl beziehen sich auf Verbesserungen am Simshobel. Trotzdem dieser Hobel mit der früheren Patentnummer gestempelt ist, entspricht er in allen Details dem späteren Patent von 1892.

DRP 33684 (1885)

DRP 66226 (1892)

Mit seinem ersten Patent Nr. 33684 hatte Carl Pohl einige Nachteile des Simshobels beseitigen wollen. Wesentlich dafür war das Abführen der Späne nach oben, wodurch "das lästige und das Arbeiten erschwerende Festsetzen der Späne" [Zitate aus der Patentschrift] aufgehoben werden sollte. Durch diese Art der Spanführung kann dieser Simshobel auch mit breiterer Bahn gebaut werden und damit z. B. den Falzhobel und den abgefalzten Doppelhobel ersetzen. Im Unterschied zum Fausthobel mit seinen geschlossenen Seitenwänden müssen die Späne durch eine Art Trichter in das Spanloch geleitet werden. Diese Funktion haben zwei seitlich angebrachte Metallplatten, die innen entsprechend abgeschrägt sind. Zusätzlich ersetzte Pohl den hölzernen Keil durch einen eisernen, der gleichzeitig die Funktion des Spanbrechers übernimmt. Zusammen mit einer steileren Lagerung des Hobeleisens "ist es möglich, dem widerspänigen Holze wirksam entgegenarbeiten zu können". Das Widerlager ist ein Bolzen, verankert in zwei weiteren Platten, die außerdem "dem zur Hälfte durchschnittenen Block die erforderliche Stabilität wiederzugeben haben".


Mit dem Patent 66226 von 1892 verbesserte Pohl diesen Simshobel, indem er die beiden Metallplatten auf jeder Seite durch eine einzige Platte ersetzte. Der als Widerlager dienende Metallbolzen wurde durch ein keilförmiges Holzklötzchen ergänzt. Dadurch sollte die in dem oben genannten Test bemängelte Spanabführung optimiert werden. Im Rahmen dieses Patents wurde auch die Form der Metallstücke zum Spanloch hin geändert, um Lücken zu schließen, in denen sich Hobelspäne festsetzen könnten.


In der Patentschrift nicht erwähnt sind die heruntergezogenen Wangen im Bereich des Spanlochs. Ich vermute, daß dadurch ebenfalls die Spanabführung verbessert werden sollte. Auf jeden Fall wird das Entfernen von Hobelspänen mit der Hand erleichtert, und der Hobel bekommt durch die geschwungene Linienführung eine besondere Note.

Weitere Details kann man der Zeichnung aus der Patentschrift 66226 entnehmen:


In dem oben genannten Bericht steht, daß ein zusätzlicher Anschlag angebracht werden kann, "durch dessen Anwendung eine ganze Reihe von Specialhobeln, wie verstellbare Falzhobel zu beliebigen Breiten und Tiefen, Kittfalzhobel, Hobel zum Anstoßen von Federn und Nuthen, zur Herstellung schräger Falzen und Kanten u. s. w. ersetzt werden können, was besonders für kleinere Werkstätten von nicht zu unterschätzendem Vortheil erscheint."

Ich habe den Hobel bisher nicht ausprobiert. Aber in dem Bericht heißt es weiter: "Wir haben die Hobel durch einige Schreinermeister einer Probebenutzung unterziehen lassen, welche die praktische Verwendbarkeit des Simshobels mit Anschlag und dessen Vorzüge älteren Constructionen gegenüber erwiesen hat; nicht gleich günstig waren die Resultate in Betreff der Spanabführung [bei dem Hobel nach dem ersten Patent]. Der allgemein empfehlenswerthe Simshobel mit Anschlag kostet 11 Mark, ist daher bedeutend billiger, als die Hobel, welche durch ihn ersetzt werden und in kleineren Werkstätten nicht ausgenutzt werden können."

Trotz dieser vielen Vorzüge hat sich dieser Universal-Simshobel offensichtlich nicht durchsetzen können, denn sonst wäre er heute in jedem Werkzeugschrank zu finden.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Werkzeugfabrik Michael Brönner in Würzburg

Bis vor kurzem war mir diese Firma völlig unbekannt. Bei einer routinemäßigen Google-Suche fand ich dann zufällig eine Anzeige der Werkzeugfabrik M. Brönner aus dem Jahr 1866. Die darin angebotenen Werkzeuge (Hobel, Beitel, usw.) waren interessant, also versuchte ich, mehr über die Firma Brönner herauszufinden.

Der Erfolg einer solchen Recherche ist sehr unterschiedlich. Er hängt zum einen davon ab, welche Bücher von Google eingescannt wurden und in welchem Umfang sie zugänglich sind. Zum anderen hinterlassen die Firmen sehr unterschiedliche Spuren in der Literatur, so daß oft selbst über bekannte Firmen kaum etwas online zu finden ist.

Besonders liegt der Fall der Werkzeugfabrik Brönner insofern, als die Geschichte der Firma relativ kurz ist (ca. 14 Jahre) und praktisch vollständig dokumentiert in Meldungen und Anzeigen der Würzburger Tageszeitungen dieser Zeit.

Mit dieser Meldung vom 9. Mai 1854 begann die kurze Geschichte der Werkzeugfabrik:
"Mich. Brönner von Wolfsmünster erhält von kgl. Regierung die Erlaubniß zur Errichtung einer Fabrik von Werkzeugen für Holzarbeiten und die Ansässigmachung dahier."


Der Start gelingt und Brönner nimmt schon im Juli an der Allgemeinen Deutschen Industrie-Ausstellung in München teil mit 12 verschiedenen Hobeln, "darunter Nut= und Feder=, Gesims=, Hirngrat=, Kehlhobel".

Zu dieser Zeit wird auch "ein tüchtiger Arbeiter" "gegen gute Bezahlung gesucht" und im April 1855 "ein tüchtiger Schreiner und ein Metallarbeiter", "welch letzterer das Härten verstehen muß".

Für die Gründung einer Werkzeugfabrik war vom Polytechnischen Verein in Würzburg eine Prämie von 200 fl. ausgeschrieben worden, die "nach Verlauf eines Jahres ... an den Schreinergesellen, gegenwärtigen Werkzeug-Fabrikanten Michael Brönner dahier ausgehändigt" wurde.

Bei der "Jubelfeier des fünfzigjährigen Stiftungsfestes des polytechnischen Vereins" im Juli 1856 gestaltet Brönner einen Wagen für den Festzug: "der Wagen des Hrn. Brönner hatte ein Podium, mit verschiedenen Baumrinden und Guirlanden bekleidet; als Gallerien dienten große Sägen, auf der Mitte erhoben sich 3 Pyramiden mit Werkzeugen für Schreiner, Wagner, Büttner etc. in sinnreicher Gruppirung."

Am 23. Mai 1857 inseriert die Firma im Würzburger Stadt- und Landboten:


Auf einer Kreis-Industrie-Ausstellung "zur Feier der Eröffnung der Maxschule zu Würzburg" 1858 zeigt Brönner "ein reiches Sortiment von seinen als vorzüglich bekannten Erzeugnissen namentlich in Hobeln, dann eine Band- und Kreissäge" und erhält dafür ein Anerkennungsdiplom.

Im November 1859 zeigt Brönner seine erste Ausstellung auf der Bayreuther Messe an, wo bei ihm "alle fertigen Werkzeuge sowie einzelne Theile zu haben sind". Eine Woche später sucht er per Annonce "zwei Schreiner, welche gut im Hobelwerkzeugfertigen bewandert sind". Anfang Dezember 1859 erinnert eine Anzeige an das nahende Weihnachtsfest: "Es ist eine Auswahl Laubsägen-Bögen vorräthig; auch werden wie alle Jahre für Knaben Werkzeuge angefertigt."

Im Januar 1860 allerdings meldet der Würzburger Anzeiger den ersten Gerichtstermin "im Konkurse des Werkzeugfabrikanten Michael Brönner hier", und eine Bekanntmachung im August lädt "Strichsliebhaber" zu einem Termin, wo "das zum Concurse gehörige Mobiliare" und "Handwerkszeug" "gegen Baarzahlung öffentlich versteigert" werden.

Brönner schafft aber einen Neuanfang, denn in den Jahren 1865 bis 1867 wirbt der Werkzeugfabrikant mit seinem "großen Werkzeuglager" und meldet: "Wegen angehäuften großen Bestellungen ist mir nicht möglich, diese Messe [in Würzburg] zu beziehen, weßhalb ich meine geehrten Abnehmer ersuche, mich in meinem Laden zu beehren". Aus dieser Zeit stammt auch die folgende "Meßanzeige" zur "Rothenburger Messe":


Offensichtlich hat sich Brönner aber ziemlich übernommen, denn schon im April 1868 müssen die "Werkzeugfabrikanten-Eheleute Michael und Rosina Brönner" erneut Konkurs anmelden wegen "nachgewiesener Ueberschuldung": "Die zur Zeit inventirte, aus Waaren und Mobilien bestehende Aktivmasse hat einen Taxwerth von 343 fl. 39 kr. entgegen einer angezeigten Passivmasse von ca. 2550 fl."

Im "Adreß-Handbuch für die königlich bayer. Kreis-Haupt- und Universitäts-Stadt Würzburg" von 1870 ist Michael Brönner als einfacher Werkzeugmacher verzeichnet.

Mittwoch, 13. April 2011

Tatwerkzeug Lochbeitel

Im "Oeffentlichen Anzeiger zum Amtsblatt der Königlichen Regierung" (Merseburg, 18. März 1843) meldet das Polizeiamt der Stadt Leipzig einen Einbruch bei einem Uhrmacher, bei dem eine größere Anzahl Uhren entwendet wurde. Detailliert wird die Beute der ruchlosen Tat aufgelistet und beschrieben; anscheinend hat der Dieb den ganzen Laden leergeräumt.

Interessant für mich ist diese Meldung aber wegen der Beschreibung des Tatwerkzeugs:
"Bei der Ausführung des in obiger Bekanntmachung vom 6. d. M. erwähnten Uhren-Diebstahls hat der Dieb einen sogenannten deutschen doppelfallsigen Lochbeutel (einen Meisel), ingleichen eine englische halbrunde Schlichtfeile angewendet und nachmals zurückgelassen. Beide Instrumente sind wenig gebraucht, anscheinend noch neu und dürften daher erst kurze Zeit vor Verübung des in der Nacht vom 4. zum 5. d. M. geschehenen Diebstahls gekauft worden seyn. Alle diejenigen, welche dergleichen Werkzeuge um diese Zeit hier oder anderwärts verkauft oder auch weggeliehen haben, werden hierdurch ersucht, uns oder der nächsten Polizeibehörde davon schleunigste Mitteilung zu machen, wobei wir zugleich auf die laut unserer ersten Bekanntmachung ausgesetzte Belohnung von 100 Thalern hinweisen."

Nachdem ich erst kürzlich über die Unterschiede zwischen den alten deutschen und englischen Beiteln recherchiert und geschrieben habe, kann ich mir erst jetzt unter einem "deutschen doppelfallsigen Lochbeutel" etwas vorstellen. Was mich daher beim Lesen erstaunt hat sind die Detailkenntnisse, die man damals bei der Leipziger Polizei über die Werkzeuge eines Schreiners hatte. Dagegen kann man annehmen, daß dem Uhrendieb die (von Karl Karmarsch und Franz Wertheim beklagten) mangelhaften Eigenschaften der deutschen Lochbeitel nicht bewußt und schon gar nicht hinderlich waren.



Quelle: Google Buchsuche

Samstag, 9. April 2011

Deutsche Stemmeisen

Kürzlich bekam ich einen Anruf von einem Sammler. Er hatte einige Beitel in seiner Sammlung mit Klingen, die zur Schneide hin breiter werden. Er wollte gerne wissen, von welchen Holzarbeitern solche Beitel verwendet wurden und wie alt sie etwa sein könnten.

Mir kam diese Form zwar bekannt vor, aber zunächst konnte ich seine Frage nicht beantworten. In Katalogen hatte ich solche Beitel noch nicht gesehen, also mussten diese Werkzeuge wohl etwas älter sein. Ein guter Start für eine solche Suche ist z. B. die "Werkzeugkunde" von Franz Wertheim, wo auch exotischere Werkzeuge und solche aus den Nachbarländern abgebildet und vor allem auch detailliert beschrieben sind. Tatsächlich fand ich dort die Antwort, die mich sehr überrascht hat. Wertheim schreibt:

"Fig. 141, Taf. VII, zeigt ein deutsches Stemmeisen. Die Schneide ist hier nur von einer Seite, bei sehr vielen Werkzeugen dieser Art jedoch auch von zwei Seiten zugeschärft und zwar so, dass die beiden Seitenflächen gegen die Mitte der Dicke sanft zusammenlaufen, was jedoch beim Ausstemmen senkrechter Wände nicht vortheilhaft ist.
Die deutschen Stemmeisen haben das Eigenthümliche, dass ihre schmalen Seitenflächen gegen das Heft hin zusammenlaufen, was den Uebelstand mit sich führt, dass die Schneiden beim Nachschleifen immer schmäler werden."


"Deutsche" Stemmeisen? Ich war immer der Meinung, daß man deutsche Beitel von englischen allenfalls an der Form der Griffe unterscheiden kann. Aber das war wohl nicht immer so. Und nachdem ich nun einen Namen hatte, war es relativ einfach mehr Informationen darüber zu finden.

Tatsächlich war nicht so sehr die breiter werdende Klinge der entscheidende Unterschied zu den heutigen Beiteln, sondern die Art der Schneide, die "von beiden Seiten zugeschärft" war. Man stelle sich vor, in einer heutigen Schärfanleitung die Empfehlung zu finden, seine Beitel mit einer Fase auf der Spiegelseite zu versehen!

Deutsche und englische Stemmeisen im Vergleich zeigt die folgende Abbildung aus dem Katalog der Firma Joh. Weiss von 1861:


Karl Karmarsch unterscheidet in seinem "Handbuch der mechanischen Technologie" (1851) zwischen dem einseitig zugeschärften Stechbeitel und dem zweiseitig geschärften Stemmeisen, das aber auch "dünn in der Klinge (ist), daher nicht zu grober Arbeit geeignet". "Gewöhnlich wird die Zuschärfung durch eine allmälige, bogenförmig zulaufende Verdünnung der Klinge gebildet, öfters aber auch durch eine deutlich erkennbare gerade Facette auf jeder Seite." Noch deutlicher ist der Unterschied bei den Lochbeiteln. Die englischen und französischen Lochbeitel hatten damals schon die uns heute bekannte Form. Über die deutschen schreibt er:
"Die deutschen Lochbeitel gleichen völlig den englischen (...), nur daß sie die zweiseitige Zuschärfung haben. Diese dient ihnen indeß keineswegs zur Empfehlung; denn da sie zunächst bei der Schneide keine ebene Fläche darbieten, welche dem Werkzeuge zur geraden Führung an der auszuarbeitenden Holzfläche dienen könnte: so fällt diese Letztere leicht unregelmäßig und nicht gehörig glatt aus. Aus diesem Grunde haben die Lochbeitel nach englischer Form auch schon in sehr vielen deutschen Werkstätten Eingang gewonnen."

Daß sich solche verbesserten Werkzeuge, die zu dieser Zeit vor allem aus England kamen, bei uns nicht leicht durchsetzen konnten, zeigt Karmarsch an anderer Stelle anhand vieler Beispiele auf. Und er bedauert, "daß der Deutsche Handwerker im Allgemeinen schwer daran geht, sich an neue Geräthe und Arbeitsmethoden zu gewöhnen, und überdieß ein etwas höherer Preis des Werkzeugs selbst in den Fällen ihn abschreckt, wo eine wesentlich bessere oder vortheilhaftere Wirkung reichlich dafür entschädigen würde."

Es scheint so, als ob diese "deutschen" Stemmeisen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Platz im Werkzeugschrank zugunsten der besseren "englischen" Beitel räumen mußten. Und obwohl ich gerne ein paar solcher Stemmeisen in meiner Sammlung hätte, bin ich doch froh, nicht damit arbeiten zu müssen.

Schöne Beispiele für die Palette der Beitel in alten deutschen Schreinerwerkstätten findet man übrigens in den
Hausbüchern der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen, z. B.:

http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-279-69-v
http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-279-75-v
http://www.nuernberger-hausbuecher.de/75-Amb-2-279-84-r

Donnerstag, 20. Januar 2011

Hobelbau klassisch - Die Nase

Hier geht's zum vorherigen Beitrag.

Auf den ersten Blick scheinen die Nasen von Hobeln alle gleich auszusehen. Tatsächlich aber sind sie recht unterschiedlich und ihre Form kann einem schon Hinweise auf den Hersteller geben. Anders als bei den menschlichen Nasen kommt es bei Hobeln weniger auf Schönheit als auf gute Handhabung an. Ich wollte beides haben, eine schöne und handliche Nase.

Ich hatte in einem früheren Beitrag schon angedeutet, daß ich die Hobelnasen der Firma Friedrich Ott schöner finde als die von Georg Ott/Ulmia. Diese im oberen Bereich nach der Seite gebogenen Griffe, wie man sie auch bei Kneisel und Goedel findet, gefallen mir einfach besser als die klobigen geraden von Ulmia, Steiner und Famos/Esslinger & Abt. Damit war die Frage der Schönheit geklärt, aber wie sieht eine handliche Nase aus?

Über mangelnde Testmöglichkeiten kann ich nun wirklich nicht klagen, also habe ich einfach mal ein paar Griffe durchprobiert. Überrascht mußte ich feststellen, daß ausgerechnet eine seltene und wieder "ausgestorbene" Form sich als besonders handlich herausstellte. Das waren nämlich Hobel von Max Gaitsch, deren Vorderteil mich an ein Wikingerschiff erinnert. Das ist eigentlich kein Wunder, denn der untere von der Hand umfaßte Teil ist völlig in den Hobelkörper integriert und liegt damit gut in der Hand.

Für meinen ersten Hobel war mir diese Form der Nase aber dann doch zu exotisch. Und da ich in der Handhabung keine großen Unterschiede bei den anderen Herstellern feststellen konnte, habe ich mir einen Fausthobel von Friedrich Ott als Vorbild für die Nase genommen.

Die Form habe ich frei Hand auf einen Weißbuchenklotz skizziert und mit der Schweifsäge grob vorgeschnitten. Der untere Teil behielt vorläufig seinen rechteckigen Querschnitt, um das Einspannen für die weitere Formgebung und das Herstellen der Gratverbindung zu erleichtern.


Die grobe Form war schnell mit der Raspel hergestellt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut man geschweifte Holzoberflächen mit Raspeln und Feilen formen kann und wie schnell das geht.


Sieht doch schon gut aus!


Die Nase von deutschen Hobeln wird in den Hobelkörper eingegratet (einzige Ausnahme: ECE). Das untere Ende der Nase kann einfach auf dem Vorsprung aufsitzen, wird aber üblicherweise in eine eingebohrte Vertiefung versenkt, um die Verbindung noch zu verstärken. Das setzt voraus, daß man die Basis perfekt rund macht, und das habe ich mir nicht zugetraut. Deshalb habe ich diese Vertiefung kleiner als den Durchmesser der Nase gemacht und einen entsprechenden Zapfen abgesetzt. Ein Dübelverbindung wäre auch denkbar.

Die Gratnut im Hobelkörper habe ich wegen ihrer Größe und Lage etwas anders herstellen müssen als gewohnt. Nachdem ich den meisten Abfall in der Standbohrmaschine herausgebohrt hatte, war die Nut aber dann leicht mit einem Beitel herzustellen. Wesentlich schwerer getan habe ich mich mit dem Grat an der Nase. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, zuerst den Grat mit dem Grathobel an einen quaderförmigen Klotz anzustoßen und danach mit der Formgebung der Nase zu beginnen.


Aber zum Glück ist der Grat nur sehr kurz, und ich finde auch, daß die Verbindung besser aussieht, wenn der Grat abgesetzt wird.

Nachdem die Nase eingepaßt war, habe ich noch den Keil auf die endgültige Länge gekürzt und oben abgerundet. Und so sieht der Hobel jetzt aus. Die Nase wird noch abgeschliffen und eingeleimt, und auch im Spanloch müssen die Oberflächen noch geputzt werden. Die Kanten will ich noch etwas abrunden. Und schließlich muß ich mir noch Gedanken machen, wie der Ballen, also der hintere obere Teil des Körpers aussehen soll, damit der Hobel auch bequem in der Hand liegt.


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